Stuttgart

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Das Abendland wird doch wohl nicht untergehen

Das Abendland wird doch wohl nicht untergehen

Meine Frau und ich besuchten unser erstes Klassikkonzert. Petras erster Klassik-Konzertbesuch überhaupt, mein erster seit fast 50 Jahren, wo ich bei den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben zumindest bis zum Stimmbruch geduldet wurde und immerhin bei lokalen Auftritten hin und wieder auf der Bühne stand. Nach dem Stimmbruch sorgte der Chorleiter für meine musikalische Ausweisung.
Erwartet hier bitte keine Rezension, nur kurz die Fakten: Wir besuchten das 6. Konzert der SKS Russ/Kulturgemeinschaft Stuttgart-Reihe „Faszination Klassik“. Das Streichorchester Kremerata Baltica gastierte mit dem 24-jährigen Pianisten Daniil Trifonov. Auf just diesen jungen Mann wurden wir vor ein paar Monaten aufmerksam, hörten Platten von ihm und waren begeistert. Als wir entdeckten, dass dieser famose Tastendrücker in Stuttgart auftritt, stand für uns fest: nix wie hin.
Was sollen wir Euch auf die Folter spannen: Es war ein spannender, ungemein musikalischer Abend, der unsere musikalische Bandbreite auf angenehmste Weise noch aufspreizte.

Clash of cultures oder Crash of Culture?
Doch all das ist nicht der Grund, weshalb ich diesen Text geschrieben habe. Der Anlass dazu brannte sich am Ende des Konzerts in unser Hirn: Das Orchester nebst Solist bot Chopins Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll opus 11 dar. Trifonov spielte, als würde er beidfüßig Autofahren – rechts beschleunigen, links bremsen. Gut, das tun die meisten, aber nicht gleichzeitig. Als Jazzliebhaber ist uns diese Technik ja nicht so ganz unbekannt, aber wieviel Leben, Emotionalität, ja Expressivität dies in das – Entschuldigung – etwas süßlich-romantisierendes Chopin-Stück brachte, das war wunderschön.
Doch bereits während des Nachklangs dieses Finalstückes havarierte der fast ausverkaufte Beethoven-Saal, dieser Akustiktempel der Hochkultur, in dem ich so viele Größen der Jazzmusik hören durfte. Die Musiker noch in voller Konzentration. Das Publikum sucht bereits Verstreuung. Da stehen doch tatsächlich die ersten Menschen auf und eilen zum Ausgang, als hätte ein Pager die Chirurgen zur Not-OP gerufen. Da haben gut zwei Duzend Menschen auf der Bühne ihre gesamte Lebensplanung dem Diktat der Musik unterworfen, haben Jahre, ach was, Jahrzehnte geübt, um so „performen“ zu können, und ein Teil des Publikums findet keine wenige Minuten Zeit, um diesen Menschen das Feedback zurückzugeben, welches Künstler brauchen wie alle Menschen den Sauerstoff zum Atmen?

Oskar Spengler – oder der Untergang des Abends
Es darf kein falscher Eindruck entstehen. Unter den rund 2000 Besuchern im Beethovensaal haben die meisten getan, was man aus unserer Sicht eben so macht, wenn einem ein Konzert gefallen hat, wenn es sogar das persönliche Hör-Universum ein bisserl größer und schöner gemacht hat. Sie haben applaudiert, standen gar von ihren Sitzen auf, um zu signalisieren: Ihr Musiker habt unseren Tag schöner gemacht.

Geht das Abendland unter, wie Oskar Spengler einst düster prophezeite und X-gida-Gruppen im Angstwahn halluzinieren?
Wir sind hinreichend sicher, dass dies nicht der Fall ist. Waren aber trotzdem perplex, dass selbst im Bereich klassischer Hochkultur rustikale Wurstseeligkeit um sich greift.
Wer immer noch nicht so ganz genau weiß, wo es hier zum Problem geht, möge bitte >hier weiterlesen.
Allen anderen sei noch eine Frage mit auf den Weg gegeben: Warum nennt das offizielle Programmheft zwar die Autoren der Werkbeschreibungen, ja sogar die Hersteller des Heftes (Druckhaus Waiblingen) und dessen Anzeigenbetreuer (Büro Fürther), aber keine(n) einzige(n) der 27 Ensemble-Musiker(innen) der Kremerata Baltica? Ist das jetzt schon so wie im Kino, wo wir im Abspann erfahren, wer welchen Hauptdarsteller gefahren und ob Sarah Wiener Enterprises die Bütterchen geschmiert hat. Aber die Darsteller der „Nebenrollen“ bleiben unerwähnt?
Wegen all dem wird das Abendland nicht untergehen.
Nur armseeliger werden.

Jazzopen Stuttgart 2013 – Frauenpower & wieder schlauer

Jazzopen Stuttgart 2013 – Frauenpower & wieder schlauer

Wer ab und an auf dieser Website bei den musikalischen Themen vorbeischaut, kennt vielleicht meine letztjährige Kritik an dieser Stuttgarter Veranstaltung, aus kommerziellen Erwägungen heraus viel „open“ und wenig „jazz“ zu bieten. Allen sei gesagt: Ich habe meinen mir angedichteten Job bei der Jazzpolizei (bei der ich – Ehrenwort – nie im Sold stand) inzwischen vorsorglich gekündigt. Jazzopen steht für mich (nach 20 Jahren seiner tollen Existenz) nur noch als Label für musikalische Qualität. Beim Michelin-Restaurantführer mäkelt schließlich auch niemand daran herum, dass  eine aus einem Autoreifen produzierenden Unternehmen  gewachsene Einheit heuer Hotel- und Restaurantqualitätsstandards festlegt. Und Quali hat’s in den letzten 20 Jahren (mit einem für mich allerdings deutlichen Bias für die ersten zehn Jahre) reichlich gegeben.

Also geschenkt, ob es Jazz oder nicht. Bleiben die Michelin-Fragen. 1. Ist es einen Stopp wert (ein Stern)? 2. Ist es einen Umweg wert (2 Sterne)? 3. Ist es eine Reise wert (3 Sterne?)

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Jazzopen Stuttgart 2012 – Rückschau mit Seitenhieb

Jazzopen Stuttgart 2012 – Rückschau mit Seitenhieb

Was macht ein gutes Feuilleton aus?

Nun, als Naturwissenschaftler, Technik- und Medizinjournalist steht mir in dieser Frage kein professionelles Urteil zu.

Aber ich mag Jazz.

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Jazzopen Stuttgart 2012 – Konzertkultur braucht dringend einen Rettungsschirm

Über die allsommerlich in Stuttgart stattfindenden JazzOpen-Konzerte – zumindest, wie sie sich in den letzten Jahren programmatisch und atmosphärisch gaben – habe ich schon einigen Spott ausgeschüttet. So auch hier auf zell-on-air. Gestern (11.07.2012)  waren wir auf dem siebten Konzert des diesjährigen Festivals. Das Fazit: musikalisch traumhaft schön, die Location (Open air vor dem Mercedes-Benz-Museum) erstklassig, das Wetter trotz bedrohlich heraufziehender Gewitterwolken kreuzbrav. Doch das ganze Drumherum alptraumhaft. Der Untergang zwar nicht des gesamten Abendlands, aber zumindest der Konzertkultur steht vermutlich unmittelbar bevor. Aber der Reihe nach.

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Jazzopen Stuttgart 2011: Keimt da etwa Hoffnung?

Jazzopen Stuttgart 2011: Keimt da etwa Hoffnung?

Ein Treibhaus für die jungen Schösslinge aus der musikalischen Pflanzenfamilie der Jazzicaceae war das Stuttgarter Festival  noch nie. Doch was da in den letzten drei, vier vergangenen Jahren dem Publikum so musikalisch offeriert wurde, das konnte man nur in den Häcksler schieben oder es war von vornherein so mickrig, dass man es gleich in die Tonne trat. Und dann noch diese Top-Locations!

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