Apfelsaft statt Wein

Apfelsaft statt Wein

Neun von zehn Besuchern von zell-on-air.de erwarten – verstärkt in den beiden Anfangsmonaten des Jahres – aktuelle Infos rund um die Weinmesse der unabhängigen französischen Winzer Frankreichs. Diese Majorität sei gewarnt: In diesem Beitrag geht es Äpfel & saftig viel Geld und kein bisserl um Beeren & samtweichen Genuss.

Dafür habe ich für alle iPad-/iPhone-Besitzer sowie Benutzer anderer mobiler Endgeräte, die  aufgrund fehlender Schnittstellen nicht per ansteckbarem Flash-Speicherstick oder externer Festplatten ihr Speichervolumen erhöhen können eine frohe Botschaft: Es gibt eine gut funktionierende, in Grenzen sogar kostenlose Option hierfür. Um Kommentaren vorzubeugen: Viele schlaue Füchse haben diesen Weg lange vor mir beschrieben. Indes, ich bin erst kürzlich drauf gestoßen und beschreibe ihn nun für all diejenigen, die wie ich sagen: „Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.“

Beschreiben wir die Sache am iPad: Diese Geräte sind teuer. O, Yes my brother. Sie werden mit nicht später aufrüstbarem Speichervolumen verkauft, und jedes GB mehr davon kostet mehr, und zwar richtig viel mehr. O‘ Yes, my sister. Aktueller Preis im Obst-Store für ein  iPad Air mit Mobilfunk-Anbindung: 599 € für 16 GB, 689 € für 32 GB, 779 € für 64 GB und skyrocketing 869 € für 128 GB. Will sagen: Jede Verdoppelung der Speicherkapa schlägt mit 90 € zu Buch. Das ist selbst für den letzten Schritt, also ein Plus von immerhin 64 GB ein abenteuerlicher Aufpreis. Für den ersten Schritt, also +16 GB Speicherplatz auf 32 GB, ist es ein maßloses Angebot.

Woher kommt das? Nun, die in Kalifornien residierenden Firmeneigner dieser digitalen Obsttabletts stammen von indigenen, schon seit geraumer Zeit in Nordamerika beheimateten Volksgruppen ab, den  Takeallawaren, die ihrerseits wiederum eurasische Wurzeln im Stamm der Nimm haben. Dieser überaus erfolgreiche Stamm – gesprochen  Take-all-awaren – gründete weit zurück im 20 Jahrhundert ein Obstgeschäft, das zwar schon früh seine Fangemeinde fand, aber ökonomisch nie so richtig Tritt fassen konnte, weil es – das gibt deren Ältestenrat heute selber zu – immer wieder auch ziemlich unreife Früchte feilbot, die noch nicht einmal ein  Zeitgeist-Evangelist der Klientel hätte schmackhaft machen können.

Doch die Takeallawaren hatten einen schlauen Häuptling. Dieser wurde zwar aufgrund interner Machtquerelen zeitweise in die Mojave-Wüste verjagt, doch sein Stamm rief ihn in Zeiten der größten Not wieder in das kalifornische Häuptlingstipi zurück. Den Obstladen des Stammes umwaberten  bereits Geruchsschwaden, die selbst wohlmeinende Nachbar-Stämme wie die die Gugelawaren oder die Packardappachen im Siliziumtal als eine Art von Verwesungsgeruch beschrieben. In dieser Situation ersann der kluge, zurückgeholte Häuptling im Verlauf einer mythenumrankten Schwitz-Zeremonie eine Schlüsselidee: „Wir müssen mehr als Obst verkaufen“, schoss es ihm neben den Schweißperlen heraus. „Wir müssen auch Obstteller und Obstmesser anbieten. Mehr noch: Unsere Äpfel dürfen sich überhaupt nur auf unsere Obstteller legen lassen und sind ausschließlich mit unseren Obstmessern konsumierbar.“

Der Ältestenrat der Takeallawaren begriff von alldem zwar nichts,  hatte aber  keine andere, geschweige denn eine bessere Idee. Also ließ man den Häuptling gewähren. Dieser gestaltete den Obstladen sowie dessen Produktpalette mit Hilfe eines Kriegers der Tupperdelawaren rasch um. Überall wurden Wunderbäumchen aufgehängt, um den Geruch des Untergangs aus dem Ladenlokal zu vertreiben. Das Grau der bisherigen Obstkisten wich den frischen Neonfarben und schon sah das überteuert angebotene Obst ganz manierlich aus. Und dem Häuptling kam die nächste gute Idee in den Sinn: Wenn die Takeallawaren nicht nur Früchte verkaufen, sondern ein komplettes, in sich geschlossenes Früchteuniversum, dann muss sich unser Stamm umbenennen.“ Der Häuptling sinnierte nur kurz bis sich ein entspannt zufriedenes Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete: „Wir sind fortan die iTakeitallawaren“.

Und, um eine bisher ganz schön lange Erfolgsgeschichte kurz zu machen: Der Häuptling katapultierte den Obstladen, dessen Filialen sich mittlerweile Flagship-Stores nennen, und seinen Stamm in die Gruppe der globalen Topten-Player. Die Kunden in diesem Store sind längst keine Könige mehr. Sie dürfen gegebenenfalls beim König kaufen, so ihr Geldbeutel der königlichen Preisgestaltung gewachsen ist.

Soweit die Erklärung der 90-Euro-für-doppelte Speicherkapa-Regel.

Nun die Lösung: Festpattenhersteller mühten sich um Abhilfe und kamen auf den Dreh, externe Drives nicht kabelgebunden sondern per WLAN an die mobilen Devices des Obstladens anzuflantschen. Das klappt. Ja. Das ist jedoch nicht der Bringer, weil die mobilen Apfelkisten nun einmal in einer Betriebssystemstellage stecken, die für den Nutzer ohne Explorer/Finder-Regalböden auskommen muss. Der Betrieb von Apfel-Speichersatelliten hängt also entscheidend von der Quali der mitgelieferten Betriebssystemskrücken-Apps ab.  Hier erlebt man mehr Gewürge als  Gewirke.

Die Rettung naht in Form von Wolken am Datenhimmel, etwa der Dropbox. Ja selbst die dem Gemüsegeschäft angegliederte iCloud ist dafür richtig brauchbar. Hinzu muss sich eine Dokumentenmanager-App in die mobile Apfelkiste packen. Ich habe die ersten Gehversuche mit der kostenlosen App „Documents“ von Readdle.com gemacht, aber es gibt auch andere schöne Töchter. Und schon lässt sich der im Wolkenkuckucksheim gelagerte Content auf das pickepackevolle iPad/Phone streamen.

Was mich besonders freut: es ist eine Lösung, mit der Ihr dem großen, in die ewigen Jagdgründe gerittenen Häuptling und seinem einnehmend geschäftstüchtigen und kundenentmündigendem Stamm nicht  noch mehr Geld in die Schatzkiste schiebt.

Und das Kleingedruckte: Ja, damit das funktioniert, brauchen wir eine funktionierende und ausreichend schnelle Internetverbindung. Nein, es funktioniert – je nach favorisierter App – nicht mit allen Dateitypen, aber mit beeindruckend vielen. Ja, wenn Euer Wolkeninhalt wächst, kann es sein, dass Ihr dem Wolkenmacher Datenaufbewahrungsgebühren bezahlen müsst. Nein, solange Euer Streaming-Durst nicht unstillbar ist,  lässt sich die Datenmenge unterhalb der kostenfreien Limits verteilen: Mittlerweile tummeln sich  ja viele Wolken am Datenhimmel, die sich kostenfrei mit immerhin ein paar GB impfen lassen.

Und wenn wir von der Straßburger Weinmesse zurück sind, gibt’s definitiv die nächste Geschichte für Weinfreunde. Versprochen.

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