Hilfe, mein nPA erkennt mich, vertraut mir aber nicht

Hilfe, mein nPA erkennt mich, vertraut mir aber nicht

Zweiter Versuch. Es ist Dezember, draußen stürmt’s und der Regen prasselt horizontal ins Gesicht. Genau die richtige Zeit, um dem nPA oder ePerso, also diesem tollen Flagschiffprojekt der Bundesadler-IT-Heroen eine neue Chance zu geben. Meine desaströse Begegnung der ersten Art im Frühjahr diesen Jahrs habe ich blogtechnisch ja verarbeitet. Falls Ihr meine damalige Odyssee noch nicht kennt, empfehle ich Euch unter dem Beitrag „Hilfe, mein nPA erkennt mich nicht“ die damaligen Erfahrungen nachzulesen.

Also ich konnte nicht widerstehen. Nachdem ich mein RFID-Kartenlesegerät (Modellnamenszusatz „comfort“ – In der Hölle heißen bestimmt die fensterlosen stickigsten Zimmer direkt neben der wummernden Heizung „Comfort-Rooms“) zurückgegeben hatte und eigentlich wieder Frieden mit meinem Leben geschlossen hatte, schielte ich immer wieder auf Kundenrezensionen und stieß neben Stories von ähnlich schlimm gebeutelten Leidensgenossen verblüffender Weise durchaus auch auf wohlwollende bis positive Bewertungen.

Sollte einfach nur ich zu blöd sein, um so ein Ding in Gang setzen zu können?

Der Gedanke nagte mächtig an meinem Hirn. Dann machte amazon seine Cyber-Monday-Schnäppchenaktion (eine zeitraubende Variante des Teleshoppings, allerdings mit unvergleichlich höherer Reichweite). Und da war er angeboten: Knapp 15 Euronen inkl. Versand für den RFID-Leser – Modellnamenszusatz standard. Was soll ich drumrumreden. Das Ding wurde geordert. Und es kam.

Alle Treiber installiert. Klar. Neueste Version. Firmware? Nur die absolut aktuellste. Lesegerät per USB eingestöpselt, Funktion mit dem Gerätemanager überprüft. Lauter grüne Häkchen. HBCI-Karteneinsatz beim Online-Banking gecheckt. F e h l e r f r e i. Sagenhaft dachte ich. Heute ist mein Tag.

Also AusweisApp installiert. Klar, aktuellste Version 1.6. Anerkennend bemerkt: Wird sogar von den aktuellen Firefox-Browserversionen unterstützt. Das war ja nicht immer so, stichelte ich. Dann der große Moment: nPA in den Schlitz für kontaktlos lesbare (RFID) Karten gesteckt und?

Ihr glaubt es nicht: Mein nPA erkannte mich. Besser noch. Der RFID-Leser erkannte meinen nPA – und dann auch noch als ePerso.

Screenshot AusweisApp: nPA erkannt

Kaum zu glauben, aber geschafft: Das Lesegerät hat meinen ePerso im kontaktlosen RFID-Kartenschacht korrekt erkannt.

Ich schritt zum Initiationsereignis. In volldigitalen Zeiten läuft so etwas glücklicherweise völlig unblutig ab: 5-stellige Transport-PIN zur Authentifizierung eingeben, bestätigen, neue, selbst ausgedachte 6-stellige PIN eintackern, bestätigen, PIN-Eingabe zur Sicherheit wiederholen, bestätigen. Und schon ist so ein nPA ein adultes, vollwertiges Mitglied seiner Sippe. Ausgestattet mit allen Rechten und Fähigkeiten eines erwachsenen ePersos. Während dieser gesamten feierlichen Initiationsveranstaltung schaute ich mit weit geöffnetem Mund auf den Schirm. Das ich alter Esel so etwas noch erleben durfte. Ich war hin- und weggerissen.

Euphorie stieg in mir auf. Nie mehr Postident, Adieu Behördengänge! , fortan nur noch sichere Bezahl- und Authentifizierungsprozesse. Es sah so aus, als habe sich die digitale Dividende (also der Lohn für all die unendlich lange Zeit, die wir vor den Rechnern sitzen, weil irgendetwas wieder einmal nicht richtig funktioniert) endlich doch noch materialisiert. Und in diesem Hochgefühl aus Zufriedenheit und Triumpf wurde ich  gierig.

Zu gierig offenbar. Ich wollte die Authentifizierungsfunktion meines nPA online ausprobieren. Nix komliziertes, datensensibles, dachte ich mir. Ich entschied mich für den Download einer Broschüre im PDF-Format, die man anstelle ein Captcha zu lösen auch über seine nPA-Authentifizierung downloaden können sollte. Versucht, getan.

Neben dem blaugrünen Kreissymbol der AusweisApp signalisiert das grüne Chip-Icon: Lesegerät funktioniert, RFID-Karte wird korrekt erkannt. Doch nutzen ließ sich der Ausweis leider online trotzdem nicht. Fortsetzung folgt.

 

Gewartet, Fehlermeldung erhalten. Sorgenfaltenzerknittert teilte mir das Fehlermeldungsfenster mit, ich Dummerchen hätte Vertrauensbasis 1.6.0. geladen. Um hier was reißen zu können, benötige man aber Vertrauensbasis 1.6.1.

Ich stutzte. Vor allem, weil ich bislang in den 55 Jahren meiner Existenz nie über die Versionsnummer meiner Vertrauensbasis nachgedacht hatte. Eine sicherheitskritische Nachlässigkeit, wie ich nun weiß.

Also in die AusweisApp gegangen und die Update-Funktion im Menu ausgewählt. Und schon war er wieder da, der Hinweis meiner hoffnungslos veralteten Vertrauensbasis. Doch Heil sei in erreichbarer Nähe, gurrte mir die App zu: Einfach uploaden, App neu starten und gut iss. Wow, dachte ich. Die Absolution von all meinen Sünden erhalte ich hier aber viel einfacher als im Beichtstuhl der Konkurrenz.

Upload gemacht, App neu gestartet und festgestellt: Nein, ich renne immer noch mit dieser total altmodischen Version meiner Vertrauensbasis im Netz herum. Vorgang wiederholt. Wiederholung wiederholt. Und es war klar: meine Aktivitäten vor Schirm und Tastatur kreisten in einem Möbiusband, aus dem es kein Herauskommen gab.

Der Blick auf die entsprechenden Foren und Hilfe-Seiten des Kartenlesegerätherstellers zeigten: Ich habe viele Schwestern und Brüder, die wegen ihrer veralteten Vertrauensbasis im Möbiusband der AusweisApp kreisen.

Halten wir also an dieser Stelle fest:

1. Mein RFID-Lesegerät funktioniert.

2. Mein nPA erkennt mich.

3. Die AusweisApp fremdelt nicht mehr mit aktuellen Browser-Versionen.

4. Auf eine Mac OS-Version – angekündigt für Ende 2011 – warte ich noch immer vergebens. Wahrscheinlich hat sich das Bundesadler-IT-Team dieses Schmankerl als Silvesterkracher aufgespart.

5. Darauf, dass ich meinen nPA online einsetzen kann, warte ich weiterhin vergebens.

Ich kann nur hoffen: Some Day ePeace Will Come.

Übrigens: Den Stresstest hat mein nPA diese Woche locker bestanden: Der freundliche Herr hinter dem Schalter befand nicht nur die Ähnlichkeit zwischen meiner veritablen Erscheinung und dem zweidimensionalen Abbild auf dem nPA für hinreichend gegeben, auch meine aktuelle Unterschrift auf dem PostIdent-Formular wies mit der eingescannten Version auf dem ePerso keine besorgniserregenden Diskrepanzen auf.

Damit ist der Weg jetzt frei. Ich darf jetzt bei Lovefilm TV-Serien und FSK18-Filme auf DVD ausleihen. Yeep.

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