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Weinmesse Straßburg 2012

Aktuell:Unsere Empfehlungen [1] für einen Besuch der Straßburger Weinmesse.

Nichts ist so unberechenbar wie die Kundschaft.

Dieses Bonmot gilt auch im www.

Eine klitzekleine Meldung [2] habe ich Anfang 2011 zur Weinmesse in Straßburg auf diese Website gestellt, nach dem Event ergänzt um ein kleines Washup [2].

Und was lehrt mich die Statistik dieser Website? Es ist die mit Abstand am meisten nachgefragte Story.

Also gut. Hier der erste Preview auf die nächste Messe, die erneut im Schatten des edlen Glaspalastes des Europäischen Parlaments und erneut in der charmanten Beton-Fertigteil-Billig-Archtitektur der Halle am Wacken und vermutlich erneut mit viel zu wenig Parkplätzen im nur mühsam durch Schotter gebändigten Matsch und mit viel zu vielen nach Einlass drängenden Besuchern zu Messebeginn stattfinden wird. Und zwar zwischen dem 17. und dem 20. Februar 2012 also während einer Zeit, in der man eigentlich sowieso gar nichts anderes machen kann als überfüllte Messehallen zu besuchen und Wein zu probieren.

Der link [3] zum Veranstalter, den Vignerons Independants, ist derselbe wie im Vorjahr, doch ihn anzuklicken macht im Moment (Datum Ende Oktober anno 2011) wenig Sinn, denn zur Vorbereitung der Straßburger Messe lässt er sich momentan noch nicht nutzen. Zur Vorbereitung eines Messebesuchs ist der Pariser Event Ende November 2011 derzeit der aktuellste. Also Geduld. Falls irgendeiner der Besucher die Seite anklickt und den hoffnungsverheißenden „Préparez vôtre visite“-Button erspähen kann, wäre ich für einen kurzen Hinweis dankbar. Denn dann beginnt die wertvolle Phase der Vorbereitung: Zirka 500 Winzer, vermutlich mit mehr als 2500 Weinen? Also ehrlich, das ist nicht zu packen. Selbst bei härtester Disziplin. Rechenexempel gefällig?

Sagen wir, wir probieren alle 2500 Weine. Sensorische Prüfung ja (was sonst sollte man mit diesen Flüssigkeiten anstellen?) Disziplin? Aber selbstverständlich! Alles wird nach ausführlicher Befeuchtung des Mundraumes sorgfältigst ausgespuckt. Und das Problem? Ausspucken ist ja ok. Aber wenn von jedem der zirka 2500 Weine nur ein Milliliter (das ist weniger als ein Tropfen) in unserem Verdauungstrakt landet, dann haben wir anschließend 2,5 Liter Wein mit 11,5 bis 15 Volumenprozent Alkohol intus. Und in diesem Zustand Weineinkäufe planen? Also da würde ich strikt davon abraten.

Was bleibt uns übrig? Abwarten, bis klar ist, wer aus Frankreichs önologischer Welt im Februar präsent sein wird. Falls uns nichts dazwischenkommt, werden wir dann unseren Laufplan (Eingeweihte dieser Veranstaltung wissen, es handelt sich um die friedfertige Variante des Schiffe-versenken-Spiels: D37 – E 4 – B 114 – Versenkt! Hier gibt’s dieses Jahr den besten Gigondas!) als Anregung auf dieser Site reinstellen.

Bis dahin – und das kann, so wie wir diese sympathische französische Winzer-Organisation kennengelernt haben – noch geraume Zeit dauern, verkürzen wir Euch die Zeit mit der ultimativen (also ersten) Typologie der Besucher der Straßburger Weinmesse.

Breaking News

Hurra, endlich ist die Liste der teilnehmenden Winzer/Weingüter in Straßburg verfügbar. Hier der link [4] zu unserem aktuellen Beitrag.

Unsere Typologie

Typ A: Flâneur: Tritt in den Messebereich ein und lässt sich treiben. Vorbereitung? Null. Der Herr wird den Weg schon weisen. Bleibt mal hier stehen, um sein Glas füllen zu lassen. Macht dort einen Zwischenstopp (weil der Name der Domaine so schön klingt). Lässt sich auch durchaus von den Winkerkrabben unter dem Standpersonal zum Ausstrecken des Armes mit dem Probierglas animieren. Geht irgendwann – sobald die Beine schmerzen – Richtung Ausgang. Mit oder ohne Karton am Arm.

Typ B: Profiteur: Checkt ab dem Eingang die Herkunftsbezeichnungen: Burgunder (Bitte nur die besten Lagen), Champagner-AOC und natürlich sämtliche Bordelaiser-Stände mit Grundbesitz in Grand-Cru-Lagen sind erste Wahl. Die „Geheimtipps“ aus den Etikettentrinker-Fachjournalen zweite Wahl. Alles andere kann man nur in sein Glas füllen lassen, um es auszuschwenken.

Typ C: Communiquateur: Nutzt Wein – und das ist ja nicht die dümmste Einsatzform – lediglich als Katalysator, um Gespräche in Gang zu bringen. Sucht sich also die Parkbuchten, an denen er sich zu verweilen entscheidet danach aus, ob er hier die Aussicht auf ein langes („wissen Sie, ich war auch schon mal in Ihrer Region“), wirklich langes („Ach, was glauben Sie, was ich da alles erlebt habe“) wirklich schrecklich langes („Soll ich Ihnen sagen, etwas ganz ähnliches habe ich in ….. erlebt“) wittert.

Typ D: Connaisseur: Sucht seine Winzer(opfer) nach dissertationslanger Recherche aus. Weiß alles. Kann alles. Hat nur ein Manko – nämlich keinen eigenen Weinberg. Namen, Etiketten? Pah! Ein Connaisseur weiß Streu & Weizen mit blinden Augen voneinander zu unterscheiden. Verwickelt die meist ja persönlich anwesenden Winzer (das ist eines der Geheimnisse, weshalb diese merkwürdige Messe zu einem ganz wunderbaren Ereignis werden kann) in hochphilosophische, ultralange Diskurse, weshalb die quartären Kiesel hier und die Lehmbollen dort die Magie des Terroirs begründen. Und sorgt so dafür, dass der arme Tropf von Winzer während der letzten Stunde keine einzige Rechnung schreiben konnte.

Typ E: Consommateur: Wir geben zu, wir rechnen uns diesem Typus zu. Sucht Menschen und Menschen, die Weine machen. Auf Weinmessen strikt letztere. Hat viel probiert, viele Winzer kennengelernt, kehrt immer wieder zu jenen zurück, die nicht nur Weine hatten, welche in der Beton-Fertigteilhalle Wacken in Straßburg irgendwie schmeckten, sondern das ganze Jahr über mundeten, und er/sie ist glücklich wie Bolle, wenn einen der Winzer/die Winzerin wie einen alten Freund am Stand empfängt. Denn das macht ja den Weingenuss aus. Ein Glas mit Freunden.