Unser Dorf hat einen Local Hero

Unser Dorf hat einen Local Hero

Hoffentlich kennt Ihr den Film „Local Hero“, bei dem Bilder, Schauspieler, Soundtrack, Regie und Plot eine so wundervolle Allianz bilden, dass man als Zuschauer nach zirka eineinhalb Stunden gar nicht anders kann, als ein wenig glücklicher zu sein. Das sei vorausgeschickt, wenn ich Euch sage: Unser Heimatdorf Mindersbach hat verdientermaßen jetzt auch einen „Local Hero“, der mit einer kleinen Zeremonie während des herbstlichen Mostfestes geehrt wurde. Die Linde am neugestalteten Dorfplatz trägt nunmehr – für alle sichtbar – seinen Namen: die Hans-Köhler-Linde. Eindrücke vom Fest findet Ihr weiter unten in der Galerie. Die Bilder 7, 9, 10 und 11 zeigen Horst Köhler, die Fotos drum herum sind einfach Schnappschüsse von dem  kleinen dörflichen Fest, bei dem sich die Einwohnerschaft auf ein Glas frisch gepressten Saft von Birnen und Äpfeln von den umliegenden Streuobstwiesen trifft, dessen Herstellung wiederum (Bilder 3 und 4) gerade die Kinder im Dorf dafür entschädigt, dass die Erwachsenen (etwa Bild 2) „wieder einmal nur“ eine eine Hocketse abhalten. Die begleitende Musik ist dem Charakter des kleinen Festes angemessen – keinenfalls ein aufgesetztes, pseudofolkloristisches Tschingdarassabum, sondern ebenso authentisch und ernsthaft wie Saft und Most aus der Presse oder der Steckling (Zwiebelkuchen) aus dem dörflichen Steinbackofen: vorgetragen vom Liederkranz Mindersbach (Bilder 5 – 8 und 12, 13).

Was macht nun Hans Köhler zum „Local Hero“?. Der Mann hat vor 16 Jahren ein 480-Seiten starkes Buch veröffentlicht: Die „Familien- und Hausgeschichte Mindersbach“.

Während jeder/jede Hanswurst heutzutage den Jauch-Illner-Beckmann-Lanz-Marathon durchläuft, um das eigene mehr oder wenige dünne Elaborat ein paar hunderttausendmal mehr abzusetzen, hat sich Hans Köhler jahrelang mit „seinem“ Thema“ auseinandergesetzt, Archive durchstöbert, Bibliotheken durchforstet, nicht zuletzt mit den Dorfbewohnern gesprochen, um in jahrelanger Kleinarbeit dieses Buch zu erstellen. Es war – das behaupte ich jetzt einmal – nie als „Bestseller“ konzipiert und es barg zudem in seiner spröden Sprache kein Nobelpreis-Potenzial. Hans Köhlers Buch widmet sich schlicht der über sieben Jahrhunderte andauernden Besiedlungsgeschichte des Dorfes und verfolgt diese geradezu buchhalterisch genau bis in die Gegenwart (der 1900er-Jahre). Wer so etwas publiziert, möchte etwas mitteilen, auch wenn es nicht von www- (also angeblich weltweitem) Interesse ist. Wer so etwas verlegt, sichert sich Druckkostenzuschüsse und hofft nicht einmal im Entferntesten darauf, dass dieses Produkt etwas abwirft.

Für meine Frau und mich hat dieses Buch (wir lebten zum Erscheinungsdatum schon elf Jare in Mindersbach) etwas „abgeworfen“. Nämlich zunächst als wichtige Quelle, um etwas mehr Erdung zu diesem Dorf zu bekommen und heute, nach mehr als 27 jähriger Zugehörigkeit zu Mindersbach, um in Zeiten der GPS-Ortung die Heimat-Koordinaten herauszulesen.

 

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