So scheide dahin, teuerste ELENA

Wer hier auf diesen Seiten ab und zu vorbeischaut, kennt meine fast schon phobisch zu nennende Einstellung zu staatlichen oder staatsnahen IT-Projekten und meinen unverhohlenen Zweifel an der IT-Kompetenz der damit betrauten Personen. Meine ganz persönliche ePerso-Story mag hierfür Beleg  sein. Trotzdem haben Staatsbedienstete völlig zurecht bezweifelt, dass meine rein persönliche kritische Einschätzung für die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land Richtschnur und Leitfaden der Beurteilung sein können.

Deshalb und nur deshalb, davon bin ich felsenfest überzeugt, hat die Bundesregierung das Projekt ELENA (elektronischer Entgeltnachweis) auf Kiel gelegt und heute, so entnehme ich dem Newsticker von heise, am Kabinettstisch in die Tonne getreten. Es ist angemessen, die für ihre mutigen, schnellen und kompromislosen innen- wie außenpolitischen Entscheidungen im ganzen Land gefürchtete Schwarz-Gelb-Regierung für diese brutalstmögliche Konsequenz in Sachen ELENA zu loben.

Ich bin gespannt, wie lange es dauern wird, bis dasselbe in Sachen IT-Kompetenz über sich hinauswachsende Gremium begreifen wird, dass Ihr drittes großes Projekt eGK (elektronische Gesundheitskarte) mit just denselben Mängeln wie ELENA zu kämpfen hat, und daher ihrer digitalen Schwester möglichst rasch ins Datennirwana folgen sollte.
Nur eine Einschätzung der illustren Kabinettsrunde beunruhigt mich, falls die oben erwähnte Heise-Meldung die Absichten am Spreebogen richtig kolportiert. Ich darf das zitieren:

„Parallel zu der Aufhebungsinitiative hat das Kabinett Eckpunkte des Bundesarbeitsministeriums für ein „projektorientiertes Meldeverfahren in der Sozialversicherung“ beschlossen. Es gehe dabei zunächst um ein „Forschungsprojekt“, wie das mit Elena aufgebaute Wissen über neue Wege zum Datenaustausch zwischen Arbeitgebern und Sozialversicherungsträgern weiter genutzt werden könne, erläuterte eine Ressortsprecherin gegenüber heise online.“

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das im Mittelteil richtig verstanden habe, aber für ein Individuum mit begrenztem Verstand interpretiere ich das so: OK, wir treten das teure gescheiterte Projekt in die Tonne, weil es Schrott ist, geben aber frisches Geld aus um explorativ („Forschungsprojekt“! himmel hilf) herauszufinden, ob nicht irgendjemand aus diesem Schrotthaufen ein neues Schrottprojekt entwickeln könnte.

Wollt Ihr wissen, was die Betonierung dieser Sackgasse gekostet hat?

Ich lieber nicht. Und die Bundesregierung offenbar lieber auch nicht, wie ebenfalls der Heise-Newsticker kürzlich gemeldet hat. Endlich eine Übereinstimmung zwischen dem Kabinetts- und meinem Schreibtisch.

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