Kalender 2012: Bretonische Bilderflut – auch bei Ebbe

Kalender 2012: Bretonische Bilderflut – auch bei Ebbe

Den fotografisch festgehaltenen „Magischen Momenten“ unserer Australienreise galt der diesjährige Kalender für 2011. Diesen Frühsommer sorgte ein Besuch der wild-schönen (bildschönen) Granitküste der Bretagne für allerlei Motive, die wir zwischen Ebbe und Flut, zwischen peitschenden Regenschauern und strahlend-blauen Frühsommer-Intermezzos sowie zwischen klitzekleinen Details und atemberaubenden Panoramen vorfanden. In der Fotogalerie zu diesem Beitrag könnt Ihr Euch die neue Kalender-Edition „Bretagne 2012 – Zwischen Ebbe und Flut“ anschauen. Produktinfos und technische Details identisch wie bei den „Magischen Momenten“.
Falls Interesse an einem oder an mehreren Exemplaren besteht, einfach per E-Mail bei uns melden. Wir machen dann Ende November 2011 eine Preisanfrage beim Drucker (wie im letzten Jahr www.pixopolis.de) , übermitteln Euch das Ergebnis (der Preis ist abhängig von der bestellten Stückzahl) und dann könnt Ihr bei uns zum Selbstkostenpreis ordern, sodass die Kalender rechtzeitig vor Weihnachten bei Euch sind.

Unsere Auswahl

Wir haben uns dieses Mal gegen Split-Image-Seiten entschieden und die Motive ganzseitig großgezogen. Wir wollten damit eine optische Erfahrung unterstützen, die uns bei dieser Reise ins Auge sprang, nämlich die enorme Bandbreite der bretonischen Motive: Die Erhabenheit und Eleganz monochromer Stimmungen einerseits und das intensive Farbspiel ungebrochen satter Farben andererseits, die gigantische Weite einer Küstenszenerie, der fokussierte Lupenblick aufs Detail, die Dramatik eines heraufziehenden Gewitters und die wohltuende Klarheit eines ozeanisch blauen Himmels, nachdem der Westwind nur eine halbe Stunde später die strahlgraue Wolkendecke restlos weggeblasen und weiter landeinwärts getrieben hat. Hier ein paar Notizen zu unserer Bildauswahl.

Titel: Die extrem schnell wechselnden Wetterbedingungen sind nichts für Kamerastativ-Aufbauer und Langzeitbelichter. Diese Mixtur aus heranrollender Gewitterfront und Spotlicht, das die Sonnenreflexe auf das glitzernde Meer setzt, existierte keine fünf Sekunden. Und schon hatte der kräftig blasende Wind die winzige Lochblende in der Wolkendecke wieder geschlossen und auf der Bühne wurde es ziemlich dunkel.

Januar: Die Erosionskräfte formen aus dem rosa Granit  bisweilen skurrile Skulpturen. Unseren Favorit tauften wir Rocky Granito. Wir warteten mit dem Shooting bis in die Abendstunden, als auch der letzte Besucher dieses natürlichen Skulpturenparks bei Perros-Guirec verschwunden war und es sich Rocky Granito auf dem Heideboden gemütlich gemacht hatte – ganz entspant zum weiteren Erodieren für die nächsten 50000 Jahre.

Februar: Die Austernkulturen entlang der bretonischen Nordküste tragen zweifellos zum kulinarischen Reiz dieser Region bei. Auf Gestellen in der Gezeitenzone in durchlöcherten schlammfarbenen Kunststoffsäcken zu ein paar Dutzend Stück zusammengetackert und dem ständigen Wechsel von Ebbe und Flut ausgesetzt, sind die schmackhaften Wasserfiltrierer eigentlich keine Augenweide. Doch starkes Grünalgenwachstum überzog in diesem Jahr mancherorts die Austernkulturen und sorgte für starke Farben. Andernorts (etwa in St. Brieuc) vertrieb eine massive Blüte dieser Algen so manchen Strandtouristen. Uns diente das Grünzeug als willkomenes Fassaden-Makeup für die „Austernställe“.

März: Eva entspringt Adams Rippe. Naturalistischer kann man diese alttestamentarische Geschichte wohl kaum illustrieren. Wir fanden diesen saft- und kraftvollen Fries von 1606 in der Vorhalle der Kirche von Guimiliau. Deren umzäunter Pfarrbezirk mit Kalvarienberg in mehreren Etagen zählt zu den eindrücklichsten Kirchenbauten dieser Region. Auch wer nicht unbedingt zu kunsthistorischen Kirchenbesichtigungen neigt, sollte sich von der tiefen Religiosität, der humorvoll bäuerlichen Kraft und der schlichten Natürlichkeit der Skulpturen, Plastiken und Friese gefangen nehmen lassen. Ein spirituelles Erlebnis der Extraklasse. Versprochen.

April: Littorina ist der Gattungsname dieser nur zirka einen Zentimeter großen Strandschnecke – der passende Name für ein Wesen, das sein Zuhause im Littoral findet. Zum „Abweiden“ hat sich Littorina auf einen Knotentang begeben, um mit ihrer Zunge den mikroskopisch kleinen Nährstoffbelag des Tangs abzuraspeln.

Mai:  Rosa und  Weißer Stand von Trégastel strahlen hier mit dem Himmelsblau und den Puderwolken um die Wette. Jetzt die Nase in den Wind drehen und einen tiefen Zug bis in die Lungenspitzen nehmen. Das macht glücklich. Garantiert.

Juni: Im Hafen von Paimpol sind die Zeiten der „Islandfischer“ längst vorbei, die im 19 Jahrhundert mit ihren Booten von hier aus in den Nordatlantik fuhren, um den Kabeljau zu fangen und oft genug von ihren Hochseefischzügen nicht mehr wiederkehrten. Doch noch immer ist der Hafen Paimpols an der sehenswerten Côte Goëlo das vitale Herz des kleinen Städtchens. Die Boote der Küstenfischer sind zwar eindeutig in der Minderzahl, doch die leuchtenden Farben ihres Bootslacks stechen das uniforme Weiß der Sportboote-Flotte locker aus.

Juli: Langgräber gehören zum megalithischen Erbe der Bretagne – ein Erbe, das mit Steinsetzungen, Hügel- und Tafelgräbern sowie Menhiren (also den Hinkelsteinen von „Ich bin nicht dick!“) jeden Besucher daran erinnert, wie lange schon diese Region den Menschen eine Heimat bietet. Uns stimulierte eine solche Szenerie: Sattes Farngrün, chaotisch karges Granit-Gerümpel unter einem Himmel, der abwechselnd gleißende Sonnenblitze und bleierne Wolkensalven abfeuert.

August: In den Kalender der Bäckerblume oder der Stadtapotheke hätte es dieses Motiv als „Hochsommerbild“ nie geschafft. Licht und Himmel lassen keinen Zweifel zu: Hier rumpst es demnächst kräftig. Unser Blick galt den Umbelliferen-Blütenständen auf der trockenen Wiese: „Yes, My Brother“, säuseln sie – hoffend auf Wassernachschub in dieser Trockenwiese, der keine Minute auf sich warten ließ. Seitdem wissen wir, dass unsere Nikons hygrometrisch betrachtet über beachtliche Nehmerqualitäten verfügen. Fotografieren heißt „Schreiben mit Licht“. Gut, dass Regenwasser die fotografische Tinte nicht gleich verlaufen lässt.

September: Es war ein total verregneter Tag. Heute einen Ausflug zu machen, war eher mit unserem unbändigen Erlebnishunger zu erklären als mit der Wetterprognose.
Und dann das. Ein Ententreffen an einem Strand nicht weit von unserem Domizil – drei Dutzend dieser liebenswerten motorisierten Schaukelpferde, denen Stil alles und automobile Performance nichts bedeutet. Was ein altmodisch schöner Moment.

Oktober: Für uns der Inbegriff maritimer Gestaltungs- und Ausdruckskraft. Wer das sieht und fühlt, hat keinen Zweifel mehr. Das Leben ist jetzt.

November: Wer B sagt, muss auch A sagen. Die Bretagne ist aus unserer Sicht ohne Artischocken undenkbar. In der Jever-Bier-Werbung heißt es prägnant: „Ein Bier wie das Land“. Die bretonische Artischocke variiert das Thema: Eine stachelige Kugel so harsch und herb wie das Land, auf dem sie wächst. Die Artischocke ist vielleicht eines der wenigen Beweise dafür, dass karg nicht arm bedeutet und schwerverdaulich nicht unverdaulich.

Dezember: Eine Küste, die sich an schönen Tagen entfaltet wie eine Beethoven-Ouvertüre. Das haben wir gesucht – und direkt vor unserem Ferienhaus auch gefunden. Bild und Ton laufen seitdem in unseren Köpfen vollautomatisch synchron ab.

 

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1 Kommentar

  • Elke & Robert Hauke - Samstag, 12. November 2011

    Bonjour, chère famille Zell,
    wir haben Ihre Website über die Suche nach der Weinmesse in Strassbourg gefunden. Sehr schön! Aus der Seele gesprochen …
    Wie es der Zufall und das Internet so will, sind wir jedes Jahr an der Côte de Granit Rose (die Eltern haben ein Haus in Plougrescant).
    Als alter Württemberger (geboren in Stuttgart – Exil in Oberbayern) kenne ich natürlich Nagold und den „Black Forrest“ und würde mich über Tipps in Sachen „Viticulteurs Independents“ freuen.
    Wir selbst sind in Sachen „jemais envin toujours en vin“ stets unterwegs.

    Die Kalender legen auch den Schluss nahe, dass Sie in Sachen Fotografie versiert sein könnten …

    Ich selbst habe einen kleinen Verlag, der immer auf der Suche nach dem Besonderen ist.

    Es würde uns freuen, von Ihnen zu hören.

    Avec nos salutations distinguées (!)
    Elke und Robert Hauke

    http://www.alpenblick-seenland.de

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