The Lost And Found: Gretchens Suche

The Lost And Found: Gretchens Suche

Keine Frage (wer mich kennt). Gretchen Parlato „macht“ eine neue Scheibe und die muss her. Ihr Gesang darauf ist so intonationssicher wie auf den zuvor produzierten Tonträgern; die vokalen Register zieht sie auf dieser Scheibe nicht. Stattdessen richtet sie sich in den Mittellagen ein und lotet diese aus, wie Frank Sinatra es zu seinen besten Zeiten nicht anders gemacht hat. Und nicht zu seinem Nachteil. Gretchen hingegen kann dabei scheitern. Nicht, weil es schlechter ist, was sie da singt. Es ist nur nicht so eingängig wie das Zeug von dem Crooner. Es ist straight jazz. Lounge-artig schon, aber halt mehr Jazz als artig.

Verblüffend das Repertoire: Schmissige Uptempo-Titel, womöglich klimatisiert durch coole brazilian notes, wie es sie auf ihren früheren Aufnahmen zu bewundern gab – Fehlanzeige. Die  langsamen, schweinebacken schwierigen Stücke bestimmen das Album. Da schnippt nicht so schnell der Finger. Da hört das Ohr ganz genau hin, um zu prüfen, ob es ihr innerhalb des meist leicht angerauchten Vokalparts die Intensität des Eintauchens in die Ballade auch abnimmt.

Ich nehm’s ihr ab. Besonders bei „The Lost and Found“, „Blue And Green“, „Still“, und „Winter Wind“. Diese Takes atmen Extraklasse. Und, um noch mal auf Frankieboy zurückzukommen: Da s(w)ingt Gretchen „Better Than“. Das ist zum Hin-und-weg-träumen.

Ja, die Platte ist „stylish“ und Gretchens häufige Ausflüchte ins Nasale sind der aus meiner Sicht allzu durchsichtige Versuch, eine „vocal affection“ aufzubauen, um ihrer Stimme im Business  „Markencharakter“ zu verleihen. Egal, vielleicht braucht’s das heute. Aber hört Euch die Instrumentierung und die Arrangements an. Das passt. Und diese Rhythmus-Sicherheit. Klasse, etwa „Still“. Ist das ein 11/14tel oder doch noch ein Zwölfer? Egal. It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing.

Fazit: Gretchen lotet aus, sie sucht. Jetzt, wo ihre Stimme dank der Technik ihrer Phantasie so mühelos folgt, ist das ein wunderbares Abenteuer, dem ich nur allzu gerne zuhöre. Klarer Fall: Vier Sterne, denn die Tracks lassen ahnen, da ist noch mehr drin …

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