Jazzopen Stuttgart 2011: Keimt da etwa Hoffnung?

Jazzopen Stuttgart 2011: Keimt da etwa Hoffnung?

Ein Treibhaus für die jungen Schösslinge aus der musikalischen Pflanzenfamilie der Jazzicaceae war das Stuttgarter Festival  noch nie. Doch was da in den letzten drei, vier vergangenen Jahren dem Publikum so musikalisch offeriert wurde, das konnte man nur in den Häcksler schieben oder es war von vornherein so mickrig, dass man es gleich in die Tonne trat. Und dann noch diese Top-Locations! Der Pariser Platz mit der ihm eigenen Lebendigkeit einer Sci-Fi-Gruft, der quirligen Urbanität einer Bürostadt und – last but not least für einen musikalischen Veranstaltungsort – einer Akustik, die selbst taubstumme Graumulle Reißaus nehmen lässt. Oder die Neue Messe – in der selbst ein kraftvoll agierender Chris Potter und ein routiniert-intensiv spielendes McCoy-Tyner-Trio irgendwie als  Kaufhausmusik wahrgenommen werden (müssen).

Ja, ich gebe es zu, die Gefahr der Schaumbildung vor meinem Mund hat gerade bedrohlich zugenommen.

Trotzdem: Einer geht noch. Ich sage nur Mike Batt, Katie Melua und die örtlichen Philharmoniker. Also wenn ein kleines „open“ den Jazzbegriff soweit öffnet, dann wird Vadder Abraham mit seinen Schlümpfen im nächsten Jahr als Topact gebucht. Das jedenfalls befürchtete ich nach dem aus meiner Sicht desaströsen 2010er-Programm, und hatte deshalb keinerlei Skrupel, den Terminkalender Anfang Juli vollzuballern.

Blöd gelaufen. Ehrlich.

Was die diesjährigen Zugpferde B.B. King, Chicago, BS&T, Matt Bianco und Michael Bolton mit Jazz – selbst in der grundgütigen Konnotation „open“ – verbindet, wird zwar auch in 2011 ein Geheimnis der Veranstalter bleiben, Aber es wird ja niemand gezwungen, dorthin zu gehen.

Mein Vorschlag: Nix wie ins Bix, da gibt es zwischen dem 1. und dem 9. Juli 2011  (fast) allabendlich ein Jazzprogramm, das den Zusatz „open“ verdient. So gesehen ein typischer Fall von Guerilla-Marketing: Vielleicht braucht es heute einen „King of the Blues“ auf dem Schlossplatz, damit im Bix Chico Freeman mit seinem Gebläse die Kuh fliegen lassen kann. Und wenn die blitzsauber polierten Bläsersätze von Chicago und Blood, Sweat & Tears am Ehrenhof die Zuhörer an die dreckig-schmatzende Hammond-B3 von Joey De Francesco im Bix treiben, dann lohnt nicht nur jazzopen, sondern auch ears open.

Und so richtig wurmen tut mich meine Absenz am Samstag, den 9. Juli, wenn Dave Holland mit seinem Quintett in der Musikhochschule auftreten wird. Wenn’s richtig dumm läuft, dann spielen die Jazz, und zwar womöglich sogar open.

Also das nächste Mal schone ich den Terminkalender, bis das Programm steht.

 

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