Hispanos mit nordamerikanischem (by)Pass

Also was soll ich sagen. Auf dieser Scheibe klaut sich jeder alles, was er gerade braucht. Stellt Euch vor, Tom Waits kracht in – sagen wir ‚mal bedenklichem Zustand – bei den Gypsy Kings durch die Tür zum Probenraum und anstatt einer Tracht Prügel bekommt er das Micro. Ungefähr dieses Bild hatte ich im Kopf, als der erste Titel „4 Door Maverick“ den Raum erfüllte. Selbstredend in Lo-Fi. Denn Howe Gelb ist nicht am Sound interessiert, sondern an der Atmo. Und die gibt’s hier per flatrate.

Howe Gelb ist einer der kreativen Köpfe von Giant Sand, einer Rockband aus Tucson, Arizona. Giant Sand ist eine Verkürzung von Giant Sandworms, referenziert sich also auf die geilen Raketenwürmer des Dunes-Films.

Also was soll ich Euch sagen. Giant Sand war mir immer musikalisch schnuppe. Erst als die rhythm section von Giant Sand (John Convertino und Joey Burns) zu Calexico konvertierte und dort das weiterentwickelte, was die Wölfe aus dem östlichen L.A. (Los Lobos) nicht mehr auf die Reihe bekamen, dämmerte es mir, dass die Rakentenwürmer-Sippschaft mehr zu bieten hat, als ich zuerst heraushören konnte.

Doch Calexico gräbt irgendwie auch auf der Stelle im Sand von Arizona und New Mexico, und kommt nicht recht voran. Um böse zu sein, ich glaube, der Wurm gräbt sich momentan ein.

Ja, und da holt sich der Kopf von Giant Sand, Howe Gelb,  dessen musikalische Koordinaten ohnehin sehr flexibel wandern, Musiker, die ganz klar im europäischen Flamenco verwurzelt sind. Titel wie Blood Orange oder Always Horses Coming sind fantastische Beispiele, dass diese Hispano-Tex-Mex-Mixtur dem Rakentenantrieb ordentlich Vorschub verleihen.

Doch lest nicht zuviel. Hört Howe Gelb & A Band of Gypsies mit der Scheibe Alegrias. Und Ihr werdet entscheiden: Leave me or love me.

Ich mag’s – vor allem als Soundtrack zu diesem gigantisch warmen April.

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