Weinmesse Strasbourg 2011

Weinmesse Strasbourg 2011

Tja, liebe Freunde. Die Bäume kahl, die Keller leer, die Tage werden langsam länger.

Genau das ist die Zeit der Straßburger Weinmesse. Untergebracht im Windschatten des überaus stattlichen Straßburger EU-Komplexes füllt sich alljährlich im Februar die nicht wirklich ansehnliche Ausstellungshalle des Messegeländes Wacken mit Tausenden von Weinnasen dies- und jenseits des Rheins. Die viel zu kleinen Parkflächen davor gleichen Ackerflächen, die schon lange vor Öffnung der Halle zum Schlachtfeld der Automobilisten um die letzte Standfläche werden. Drinnen geht’s trubelig familiär zu. Oma, Opa, Kind und Kegel werden durch die sich rasch füllenden Gänge geschoben – knapp 500 Stände mit selbstständigen Winzern wollen besichtigt, deren Weine probiert sein. Französisch pragmatisch das Einkaufsprocedere: schmeckt – geordert – bezahlt – mitgenommen. Spätestens jetzt sind Sackkarren (daran erkennt man die Profis), Kofferrollis (unvorbereitete Amateure) und selbst Opas Rollator oder der Kinderwagen (blutige Anfänger) von allergrößtem Nutzen. Schließlich muss die kostbare Fracht über den aufgeweichten Parkplatzacker irgendwie bis zum Kofferraum expediert werden.

Am Ende des Tages: Tausende glücklicher Gesichter (Besucher wie Winzer/innen) sowie doppelt so viele vor Matsch strotzende Schuhe und ein Mehrfaches davon an Weinflaschen aus dem  gallischen Önologie-Universum auf dem Weg in die Keller der stolzen Besitzer.

Nachklapp:

Geduld und Standvermögen brauchten die Besucher der Weinmesse in Straßburg - nicht nur aufgrund der mehr als 2000 zu verkostenden Weine, sondern auch weil es in der Halle für die Rast nur zwei Bänklein gab.

Das Wetter am Messe-Wochenende war trocken & trüb – es herrschten also allerbeste Bedingungen, um sich den Tag über im Schein des Kunstlichts durch die Gänge zu schieben. Der Erfolg des Konzepts lässt sich (siehe Foto) jeden Morgen während der Ausstellung vor den Eingangstüren ziemlich präzise quantifizieren – nämlich anhand der Größe der Menschentraube, die der Trauben wegen auf die Öffnung wartet. Das schlichte Konzept „Probieren – Entscheiden – Kaufen – Mitnehmen“ des französischen Winzerverbands sollte dessen deutschen Pendants – etwa dem VDP – zu denken geben. Bei deren Publikumsveranstaltungen haben wir es nämlich schon erlebt, dass teilnehmende Winzer noch nicht einmal auf Nachfrage eine Preisliste mit den aktuell verfügbaren Weinen präsentieren konnten. Dazu hörten wir die Belehrung: „Ach gehen Sie doch ins Internet, da steht alles über unsere Weine drin.“ Wir antworten daher auf IKEA-Deutsch: Bist Du noch im Internet, oder schiebst Du schon Deinen Wein nach Hause?

In Straßburg dagegen verkaufen selbst kleinere Winzer ihre Produkte an die vorbei defilierenden Besucher palettenweise – einige von Ihnen haben bereits am Sonntag mittag die komplette Fuhre, die in ihren Peugeot Boxer oder Mercedes Sprinter passt, abverkauft, und schenken nur noch noch aus Spaß an der Freud aus der „eisernen Ration“ der Degustationsflaschen aus. Dann bleibt  nur die Möglichkeit des Speditionsversands – allerdings ist dies grenzüberschreitend auch anno 2011 innerhalb der Eurozone eine bürokratische Mühsal, der sich nur wenige Anbieter im Transportgewerbe unterziehen.

Und die Hauptsache – der Wein? Wir haben schwerpunktmäßig Weine aus dem Süden des Hexagons probiert (Languedoc, Roussillon, Provence, südliche Rhone, Cahors). Für diese Anbaugebiete haben wir einen – natürlich stark subjektiv gefärbten – Qualitäts-Trend ausgemacht: Der Jahrgang 2008 ist in der Regel ordentlich ausgefallen, aber überall dort, wo bereits die beiden Folgejahrgänge 2009 oder 2010 angeboten werden, haben wir deutliche Steigerungen erschmeckt. Das wurde insbesondere dort deutlich, wo wir von einem Wein die Jahrgänge 2008 und 2009 parallel verkosten konnten. Unser Fazit lautet daher: Im Februar 2012 stehen wir wieder in der Traube vor den Toren zur Wacken-Halle.

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1 Kommentar

  • Silvia Guihot - Freitag, 20. Januar 2012

    Herzlichen Dank für die amüsante und informative website. Bei unserem ersten Besuch der Weinmesse tendiere ich am ehesten zur Gruppe A, bei der aber sicher noch eine Weiterentwicklung in Richtung D möglich ist.
    In diesem Jahr ist der Termin für uns nicht so günstig (Elztäler Fasnet), aber so der Herr uns den Weg weist, wird er uns evtl. im nächsten Jahr wieder Richtung Wacken führen.

    Herzliche Grüße
    Silvia Guihot

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