File Under Jazz: Gregory Porter „Water“

File Under Jazz: Gregory Porter „Water“

Yeep.

Es geht also doch.

Musik von einem Crooner. Ohne Anleihen beim Rat Pack. Solide geerdet im Rhythm&Blues, seelig angereichert durch Soulsound. Und arrangiert, instrumentiert und vorgetragen in der besten Tradition der Jazzsinger: Gregory Porters „Debütalbum beim Indie-Label Motema „Water“. Als Mitvierziger ein Debüt? Wenn es so ausfällt wie dieses, warte ich gerne und schiebe den Jamie Cullums, Robbie Williams‘ und Roger Ciceros die CD von Porter mit der Bemerkung rüber: Crooner sind keine Jüngelchen, auch keine Frauenversteher, und schon gar keine Gleichstellungsbeauftragten für ach so moderne Männer in der Genderkrise.

Nein Crooner sind Sänger, die so schmelzig (um Gotteswillen aber niemals schmalzig) intonieren und dabei im Timing absolut „layed back“ den Swing halten, dass man Hörnchen bekommen könnte, wenn man hört, wie die das hinbekommen. Für mich ist „Skylark“ hierfür das Kabinettstückchen auf der Scheibe. Überhaupt sind es die Balladen (was sonst braucht ein Crooner?), die Porter so toll hinbekommt, dass man den Mangel an Uptempo-Stücken (Super: Black Nile, wenn Porter das Saxsolo von Shorter scattet), den wahrscheinlich das Management des Labels als „Verkaufshindernis“ gebrandmarkt haben dürfte, als Glücksfall betrachten darf.

Darf ein Crooner politisch sein? Aber ja. Diese gelungene Melange aus R&B, Soul und Jazz hat es nicht nötig, sich thematisch auf die Friedefreudeeierkuchenseeligkeit einer mehr oder weniger gelungenen Zweierbeziehung zu beschränken. Sie hat es umgekehrt nicht nötig, Betroffenheitsbotschaften musikalisch mehrheitsfähig an ein „aufgeschlossenes“ Publikum abzusondern. Zwölfeinhalb Minuten „1960 What?“ auf der CD zeigen, dass man politisch ernsthafte Themen nur dann angemessen behandelt, wenn man dies auch musikalisch angemessen erledigt, anstatt Betroffensheitslyrik zu Wandervogelklampfenakkorden darzubieten.

Die CD-Hülle rät: File under Jazz. Klare Sache, in der Rubrik: Fünf Sterne

Und noch eine Nachricht für Peter Fessler: An dieser Explosivität in der Stimme, lieber Peter, musst Du erst einmal vorbei. Aber, dear Peter, Kurt Elling auch. Und Curtis Stiger soll doch jetzt bitte stille sein.

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